Branche: Automotive Aftermarket
Projekt-Beschreibung
Ein japanischer Tier 1 Lieferant beliefert automotive OEMs aus seinen Werken auf allen Kontinenten. Er möchte die globalen Aftermarket Aktivitäten in allen Regionen ausweiten und effizient steuern.
Ziel
Ein dezentrales Produkt-Informations-Management-System (PIM) implementieren, das auf Produktdaten aus den verschiedenen internen Systemen und auf extern zugekauften Marktdaten zugreift und über das die Aftermarket Vertriebsorganisationen in Asien, Europa und Amerika das jeweilige regionale Produktportfolio steuern.
Mit neuem PIM das Produktportfolio im Ersatzteilgeschäft global effizient steuern
Das Projekt in Stichworten:
- Transformation auf dezentrale Organisation und Prozesse im Aftermarket
- Informationslücke bei IAM-Potenzialen pro Land durch Zukauf von externen Datenlieferenten geschlossen
- Einsatz von externem Beratungsunternehmen für Vorauswahl Lieferant verkürzt Prozess und verschafft Knowhow in kurzer Zeit
- Agile Sprints sichern erste Inbetriebnahme vor Ablauf von 6 Monaten
Ein auf Serie ausgerichteter Prozess passt nicht für den Aftermarket
IHI Corporation, ein japanischer 15 Mrd. € Mischkonzern, ist die globale Nummer 3 bei Ab-gasturboladern und versorgt als Tier 1 Lieferant aus 6 weltweiten Werken die automotive OEMs.
Im nachgelagerten Independent Aftermarket (IAM) Geschäft, der Versorgung des hersteller-unabhängigen Ersatzteilmarktes, beliefern regionale Konzern-Vertriebsorganisationen (VO) in Japan, China, Thailand, USA und Europa unabhängige Distributoren mit Abgasturbo-ladern unter der eigenen Konzernmarke. Die Distributoren wiederum versorgen über Groß- und Einzelhandel den freien Werkstattmarkt.
Der Konzern ist auf Serienprozesse ausgerichtet und liefert die Serienprodukte an den regional ansässigen OEM, die dieser in seinem Fahrzeug verbaut und weltweit vertreibt. In der Regel weiß ein Tier 1 nicht, in welche Fahrzeugmodelle die Serienprodukte eingebaut, noch in welche Länder welche Stückzahlen exportiert werden. Demgegenüber ergeben sich die Bedarfe im Ersatzteilmarkt durch die Anzahl der in den Ländern zugelassenen Fahrzeugen, den Vehicles in Operation (VIO), dem Fahrzeugalter und der durchschnittlichen Fahrleistung. Durch die unterschiedlichen Fahrzeugparks in den Regionen und Ländern resultieren ungleiche Anforderungen an das regionale Produktportfolio.
Der Interim Manager (IM) Christian Lukas steuerte das weltweite IAM-Geschäft im Auftrag der in Yokohama, Japan, ansässigen Konzernzentrale und optimierte Prozesse von Märkten/Kunden über die VO bis hin zur regionalen Beschaffung/Produktion.
Er überzeugte die relevanten Stakeholder von der Notwendigkeit, in ein modernes Produkt-Informations-Management-System (PIM) zu investieren, um damit das konzernweite Produktportfolio im IAM effizient zu steuern und das IAM-Ergebnis zu verbessern.
PIM-Vorauswahl mit Unterstützung einer externen Beratung, agile Umsetzung
Der IM etablierte ein globales Projektteam und beauftragte das externe Beratungs-unternehmen PROTEMA, Stuttgart, mit der Marktanalyse und dem Erstellen einer Shortlist von möglichen Lieferanten. Die Anforderungen an das zukünftige PIM wurden als Echtzeit-system mit globalem Zugriff auf Daten aus vorhandenen internen Datenquellen und extern zugekauften Daten spezifiziert.
Als Ergebnis eines Auswahlprozesses wurde Bertsch Innovation (BI), Stuttgart, als Lieferant ausgewählt und beauftragt, das PIM-Customizing mit agiler Projektmethodik durchzuführen.
Der IM stimmte strikte Vorgaben von der Konzernzentrale an die IT-Sicherheitsstruktur mit BI und dem Cloudanbieter ab und verankerte diese im PIM.
Ein wesentlicher Baustein zum Projekterfolg war die Kommunikation: Neben den regelmäßigen Abstimmungen auf globaler Projektebene und mit den externen Partnern PROTEMA und BI waren der kontinuierliche Austausch auf den unterschiedlichen Ebenen mit ausschlaggebend: Konzern, Region, Land, Standort, Betriebsart, Abteilung, Mitarbeiter.
Nach Abschluss der wesentlichen Module wurde das PIM sukzessive in den jeweiligen VO ausgerollt und operativ genutzt.
Dezentrale Steuerung des Produktportfolios umgesetzt
Die PIM-Software liegt auf einem Server in Deutschland und ermöglicht über globale Lizenzen 24/7 Zugriff in Echtzeit. Interne Produktdaten (wie z.B. Masse, Gewicht, OEM-Nummern, Produktionsvolumina…) und Zeichnungen können über Schnittstellen aus den regionalen IT-Systemen (wie z.B. ERP) hochgeladen werden. Externe Daten (wie z.B. VIO-Daten pro Land, OEM-Gegenüberstellungen, OEM-Ersatzverweise und OEM-Nummern für welche Fahrzeuge/Baureihen/Modelle in welchen Jahren) werden von etablierten Drittanbietern regional zugekauft und auch über Schnittstellen in das PIM eingespielt. Manuell können bestimmte weitere Produktmerkmale gesetzt werden.
Die wesentlichen Vorteile des PIM:
Datenqualität erhöht und standardisiert; Reaktionszeit minimiert
➔ Alle Daten liegen global und live vor – keine fehlerbehaftete Kommunikation mit E-Mail und Excel mehr
IAM-Bedarfe pro Region/Land/Kreis/Stadt/Fahrzeug liegen vor
➔ Ungenutzte Umsatzpotenziale können gezielt adresssiert werden
Produktportfolio aktiv steuern
➔ Über Merkmale wie Produkteinführung, Phase out und Verbote können Beschaffung und Lagerhaltung regional optimiert werden
Aufgrund des beträchtlichen Investitionsvolumens hat der IM ein innovatives Beschaffungs- und Finanzierungsmodell gewählt und mit den Beteiligten verhandelt und abgestimmt: die europäische Konzern-Organisation hat das PIM incl. Hosting und Wartung bei BI gekauft und an die japanische Konzernzentrale weiterverkauft. Diese verleast das PIM über 5 Jahre an die fünf global verteilten IAM-Vertriebsorganisationen – somit sind die Kosten planbar und relativ verteilt.
Zuletzt beschrieb der IM die Prozesse und übergab das Projekt an ein konzernweit aufgestelltes IAM – Team, das den PIM-Betrieb operativ erfolgreich weiterführt.